Know-How


		
						
	
		

					
			

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Gären, Lagern, Zapfen – alles aus einem Gebinde. Mit etwas Bastelarbeit wird der sogenannte NC-Container eine echte Allzweckwaffe für Craft- und Hobbybrauer. Lutz Schott erklärt euch, was die Besonderheiten des NC-Containers sind und wie ihr damit umgeht.

Der Name „NC-Container“ leitet sich von Nicht-Cola-Container ab. Denn Coca-Cola hat zum Zapfen aus ganz ähnlichen Containern (CC-Container) doch immer ein eigenes System genutzt. Die Unterschiede sind klein, aber wesentlich.

CC- oder NC-Container: Anhand der Steckverbindungen und Ventile erkennt ihr den Unterschied
CC- oder NC-Container: Anhand der Steckverbindungen und Ventile erkennt ihr den Unterschied

 

Die „alte“ CC-Steckverbindung hat Nasen, auf die die Steckkupplung arretiert wird. Bei den NC-Steckverbindungen erfolgt das über eine Quetschverbindung. Der Abgang bzw. das Gewinde bei den CC-Kupplungen wird mit 1/2 Zoll BSF (British Standard Fine) bezeichnet. Bei den NC-Kupplung ist das 7/16 Zoll UNF (Unified National Fine) Gewinde im Einsatz. Die NC-Container wurden hauptsächlich für Limonade und Sodawasser genutzt, bei Limonaden im Pre- und Postmix-Bereich.

 

So siehts aus

Der NC-Container ist recht simpel aufgebaut. Er besteht im Wesentlichen aus Oberboden, Unterboden und Zarge. Am Oberboden finden sich die größte Öffnung mit dem ovalen Deckel sowie die beiden Ventile und die Tragegriffe.

NC-Container Oberboden: Zu sehen sind Ventile, Deckel mit Überdruckventil und Tragegriffe
NC-Container Oberboden: Zu sehen sind Ventile, Deckel mit Überdruckventil und Tragegriffe

 

Der Deckel

Der Deckel bzw. Verschluss des NC-Containers besteht aus Edelstahl und wird mit einem Spannhebel arretiert. Wie das Mannloch an einem Tank, ist auch der Container-Deckel oval geformt, um diesen herausnehmen und wieder einsetzen zu können. Im Deckel befindet sich außerdem das Sicherheitsventil, das auf den Betriebsdruck des Containers von sieben bar eingestellt ist. Die Dichtung zwischen Deckel und Container ist beständig gegen Säure, Lauge und Hitze.

 

Ventile und Steigrohre

Neben dem Deckel sind am Oberboden des NC-Containers zwei Ventile verbaut, über die das Zapfgas bzw. das Bier gefördert werden. Das gasseitige Ventil führt dabei zum kurzen Rohr im Inneren des Containers. Das andere Ventil ist mit dem langen Steigrohr verbunden, durch das das Bier beim Zapfen von unten aus dem Fass gefördert wird. Das lange Steigrohr ist am Ende leicht gekrümmt. Das ist nötig, da der tiefgezogene Unterboden eine kleine Tasse bildet. Das Steigrohr endet so an dieser tiefsten Stelle des Containers, wodurch ein restloses Entleeren ermöglicht wird. Ob ihr das auch wirklich wollt, dazu kommen wir noch.

Steigrohre: Ein kurzes für das Zapfgas, ein langes für´s Bier
Steigrohre: Ein kurzes für das Zapfgas, ein langes fürs Bier

 

Die Ventile bestehen aus mehreren Einzelteilen, wie auf dem unteren Bild zu erkennen ist. Das wichtigste sind die drei unterschiedlichen Dichtungen: die Steigrohrdichtung sowie die innere und äußere Ventildichtung. Mit dem Verbindungsstück werden die Rohre fest mit dem Behälter verbunden.

Einzelteile und Dichtungen eines NC-Ventils
Einzelteile und Dichtungen eines NC-Ventils

 

Form-Vorteile

Die Form des NC-Containers bietet einige Vorteile. Durch die schlanke Form und die auf maximal 18,9 Liter begrenzte Füllmenge ergibt sich ein geringes Gesamtgewicht. Stehend gelagert ist die Oberfläche, an der ein Gasaustausch zwischen Flüssigkeits- und Gasvolumen stattfindet, vergleichsweise gering und euer Bier karbonisiert nur langsam auf, wenn der Container lange angezapft ist. Durch die große Öffnung an der Oberseite des Behälters lässt sich das Gebinde leicht reinigen. Außerdem bietet sich der NC-Container dadurch auch zum Hopfenstopfen an. Ihr könnt den Hopfen entweder lose oder in einem sterilen Leinenbeutel ins Gebinde bringen, dann das Jungbier zur Nachgärung in den NC-Container füllen und diesen verschließen. Der Effekt ist so der gleiche wie im großen Lagertank. Zu Versuchszwecken wird diese Art des Hopfenstopfen zum Beispiel auch von den Hopfenveredlern genutzt.

 

Ein Behälter für alles

Der größte Vorteil des NC-Containers liegt aber in der Vielseitigkeit. Eine drucklose Hauptgärung ist im offenen Container eh kein Problem. Nach der Hauptgärung kann man das Bier in einen anderen Behälter umdrücken oder man nimmt den Behälter gleich auch zur Nachgärung. Einfach verschließen und einen Spundapparat auf der CO2-Seite aufsetzen.

Wollt ihr dann anschließend auch noch direkt aus dem Container zapfen, solltet ihr vor dem Befüllen nur noch das Steigrohr etwas kürzen. Dann bleiben die Hefe bzw. das Geläger im Container. Wie stark ihr das Steigrohr kürzen müsst, hängt von der Menge des Gelägers ab und die ist wiederum abhängig von Faktoren wie der Menge der Hefegabe, der Belüftung, ob ihr Haupt- und Nachgärung in einem Behälter durchführt und wie ihr ggf. hopfenstopft. Um das Steigrohr zu kürzen verwendet ihr am besten einen Rohrschneider oder eine Eisensäge – wichtig ist aber vor allem, das Steigrohr nach dem Kürzen sorgfältig zu entgraten und die „Schnittstelle“ mit Beize zu behandeln. Das schützt das Steigrohr wieder vor Rost. Im Anschluss müsst ihr noch gründlich mit klarem Wasser spülen, um Reste der Beizpaste und Metallspäne zu entfernen.

Das lange Steigrohr endet an der tiefsten Stelle des Containers
Das lange Steigrohr endet an der tiefsten Stelle des Containers

 

Zapfen

Zum Zapfen benötigt ihr auf jeden Fall CO2, einen Druckminderer, die passenden Steckverbindungen und einen Zapfhahn sowie natürlich geeignete Schläuche. Die Schläuche sollten selbstredend sauber und für den Druckbereich geeignet sowie lebensmittelecht sein. Von einfach bis edel gibt es unterschiedliche Varianten. Das Zapfen aus dem NC-Container erfolgt über die zwei am Oberboden angebrachten Ventile. In den meisten Fällen sind die Ventile markiert, etwa mit „In“ und „Out“. Durch das „In“ Ventil wird CO2 über das kurze Steigrohr auf die Bieroberfläche im Inneren des Behälters gedrückt. Dadurch wieder wird das Bier über das lange, evtl. gekürzte Steigrohr verdrängt und landet so im Glas.

Wichtig, um Bier aus dem NC-Container Zapfen zu können: der passende Druckminderer
Wichtig, um Bier aus dem NC-Container zapfen zu können: der passende Druckminderer

 

Reinigen

Ist der NC-Container dann leer, steht wie immer Putzen auf dem Plan. Dazu lasst ihr erst einmal den Druck ab, am besten über das Überdruckventil im Deckel. Dann spült ihr den Behälter mit klarem Wasser vor und entfernt so schon den Großteil von Hefe und Geläger-Resten sowie noch im Behälter befindliches CO2. Anschließend könnt ihr den Behälter etwa in einer Reinigungslösung, sauer oder alkalisch, einlegen, danach nochmal durchspülen, fertig. Bis ihr den Container das nächste Mal nutzt, könnt ihr diesen einfach verschlossen stehen lassen und vor dem nächsten Einsatz erneut mit Wasser spülen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann vorher noch die Ventile zerlegen sowie die Dichtungen entfernen und reinigen. Dann ist der NC-Container auf jeden Fall bereit für euer nächstes Bier.

Wer von euch nutzt schon NC-Container? Wie sind eure Erfahrungen? Und wie sehen eure Zapfanlagen aus? Schickt uns Bilder mit dem Betreff "Zapfanlage" an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

So kann eure Zapfstelle für NC-Container aussehen
So kann eure Zapfstelle für NC-Container aussehen

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