Know-How


		
						
	
		

					
			
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Für dieses Bier gibt es viele Namen: Saison-Bier (oder wer's neu-deutsch lieber mag: Session-Bier), auch Erntebier oder auf gut bayerisch kurz: Scheps. Was genau ist das? Diese Frage beantwortet uns ein echter Experte für Bierstile, nämlich Dr. Wolfgang Stempfl von Doemens. Und ein paar Hintergrundinfos gibt's gratis dazu.

Ursprünglich wurden Saison-Biere in Wallonien, genauer gesagt im Hennegau in Belgien, hergestellt. Sie dienten den Saison-Arbeitern, also den Erntehelfern, als Nahrungsgrundlage sowie als keimfreies, also gesundheitlich unbedenkliches Getränk während der heißen Sommer- und Erntezeit. Die Biere wurden im Winter eingebraut und reiften bis in den Sommer aus, bis sie trinkfertig waren.

Jeder Arbeiter hatte Anspruch auf sage und schreibe mindestens fünf Liter Bier pro Tag. Ganz klar: Die Biere müssen einen geringen Alkoholgehalt aufgewiesen haben. Aufgrund der besseren Hygieneverhältnisse im 20. Jahrhundert wurden die rechtlichen Grundlagen geändert, die den Erntehelfern bis dahin zugestanden hatten, dieses Bier in ausreichender Menge zu konsumieren.

Rasch wurde daraufhin das Saison-Bier zur Randerscheinung. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war es fast in Vergessenheit geraten. Nur eine Handvoll belgischer Brauer brauen die Biere bis heute. Der Alkoholgehalt dieser neuen Saison-Biere liegt aber eher bei ca. sechs Vol.-Prozent.

Saison-Bier (Foto: Karl Schiffner)

Interpretationen

Die US-amerikanischen Craft Brauer entdeckten diesen Bierstil Anfang des neuen Jahrtausends für sich. In den USA taucht er nun häufig als „Farmhouse Ales“ auf. Die Interpretationen sind nahezu grenzenlos:

Während die Biere früher eine bräunliche Färbung aufwiesen, sind die meisten Vertreter heute von heller Farbe. Die Stammwürzen schwanken von sechs bis 20 Prozent. Dementsprechend streut auch der Alkoholgehalt zwischen den früher üblichen 2,5 bis 3,5 Vol.-Prozent bis hin zu 8,5 Vol.-Prozent. Manche Brauer verwenden Brettanomyces-Hefen, weil die womöglich auch in den ursprünglichen Saison-Bieren enthalten waren. Die früheren Saison-Biere hatten sicherlich höhere Säuregehalte als die Biere heute. Dass die Saison-Biere früher hopfengestopft wurden, ist eher unwahrscheinlich. Trotzdem ist die Kalthopfung gerade bei den US-amerikanischen Craft Brauern auch bei diesem Bierstil beliebt. Früher wurden bisweilen Gewürze wie Pfeffer, Koriander oder Piment zugegeben. Um ehrlich zu sein, vermutlich aber eher, um auftretende Geschmacksfehler auszugleichen. Heute werden gelegentlich ebenfalls Gewürze verwendet – v.a. Ingwer. Das ist bei diesem Bierstil allerdings kein Muss.

Vielleicht auch wegen der so unterschiedlichen Varianten steigt dieser Bierstil in der Beliebtheitsskala vieler Craft Brauer weltweit. Inzwischen ist der Begriff „Saison“, der im englischen Sprachgebrauch auch mit „Session“ übersetzt wird, sogar zum Gattungsbegriff für leichtere Versionen und Varianten verschiedenster Ale Biere mutiert. Die Biere wurden zum Inbegriff unbeschwerter, trotzdem geschmackvoller Durstlöscher und befinden sich weiter im Aufwind.

Saison-Biere hat es natürlich auch in Deutschland gegeben. Bei uns hießen und heißen sie „Erntebiere“ (in Bayern auch „Scheps“ genannt). Hierzulande sind die Biere jedoch untergärig und natürlich nach dem Reinheitsgebot gebraut. Bislang fristen sie ein eher bescheidenes Dasein. Bleibt abzuwarten, ob diese Biere künftig auch so variantenreich interpretiert werden und einen ähnlichen Aufschwung wie ihre belgischen Verwandten erleben.

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