Portraits


		
						
	
		

					
			
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Spalt, Tettnang, Hallertau – jetzt klingelt es bei euch bestimmt sofort. Da kommt deutscher Hopfen her. Aber auch unsere Nachbarn aus Frankreich können Hopfenanbau. Wir haben mit Antoine Wuchner von Comptoir Agricole/Hop France über das Elsässer Hopfenanbaugebiet und die Zukunft des französischen Hopfens gesprochen.

Der erste Hopfen wurde im Elsass bereits während er Französischen Revolution angebaut
Der erste Hopfen wurde im Elsass bereits während er Französischen Revolution angebaut

 

Antoine, der Hopfenanbau in Frankreich hat eine lange Tradition. Kannst du uns etwas mehr über dessen Geschichte im Elsass verraten?

Antoine: Hopfen ist mit der Bierbranche im Elsass stark verbunden. Der erste Hopfen wurde hier bereits während der französischen Revolution angebaut, die historische Sorte Strisselspalt kam 1885 auf den Markt. Seitdem hat sich die Fläche entwickelt und stetig verändert – je nach Periode und Aktualität.

 

Wie groß ist die Hopfenanbaufläche im Elsass und welche Erträge werden erzielt?

Antoine: Heutzutage sind 465 ha Hopfen eingelegt. Das sind fast 100 ha mehr als in den schlechtesten Zeiten. Obwohl Strisselspalt die häufigste Sorte bleibt, werden insgesamt 15 Sorten von 44 Produzenten angebaut, darunter auch einige aus unserem eigenen Zuchtprogramm. Die Erträge des Anbaugebietes liegen zwischen 1,6 und 2,1 Tonnen/ha je nach Sorte und Bodeneigenschaften.

 

Erzähl uns etwas mehr über das Zuchtprogramm …

Antoine: Das erste Zuchtprogramm wurde im Jahre 2001 initiiert und kostet 200 000 EUR pro Jahr. Aus diesem Programm kommen die neuen französischen Sorten. Aramis und Triskel, die beiden ersten Sorten aus unserem Zuchtprogramm, haben sich mittlerweile zu etablierten Sorten entwickelt. Neue erfolgreiche Sorten kommen seit ein paar Jahren auf den Markt, z.B. Mistral und Barbe Rouge. Weitere neue Kreuzungen sollen Aromasorten hervorbringen, die weniger anfällig sind für z.B. Krankheiten oder Trockenheit.

Im Elsass werden fast ausschließlich Aromahopfen angebaut
Im Elsass werden fast ausschließlich Aromahopfen angebaut

 

Was macht die Anbauregion so besonders?

Antoine: Das Elsass ist ein hervorragendes Gebiet, um Aromahopfen zu produzieren. Die Klimabedingungen und die Bodeneigenschaften sowie die Erfahrung der Produzenten sind Faktoren, die maßgeblich zu einer regelmäßigen und qualitätsorientierten Produktion beitragen. Die elsässischen Aromahopfen sind weltweit für ihre feinen und vielfältigen Aromen berühmt.

 

Strisselspalt ist die bekannteste elsässische Hopfensorte. Was macht diesen Hopfen aus?

Antoine: Strisselspalt ist die historische elsässische Sorte und die Aromasorte, die den niedrigste Alphagehalt hat. Er verfügt über das feinste Aroma, das bestätigen uns alle Brauer, die ihn verwenden. Die Sorte ist weltweit etabliert und wird in sehr bekannten Bieren verwendet. Dieser besondere Hopfen wurde als Basis in unserem Zuchtprogramm eingesetzt. Ziel war es, den Alphagehalt der neuen Sorten zu verbessern (Aramis) und unseren Kunden weitere Aromasorten anbieten zu können, z.B. Triskel, Barbe Rouge, Mistral und andere.

 

Welche anderen Sorten werden im Elsass angebaut?

Antoine: Im Elsass werden fast ausschließlich Aromahopfen angebaut. Sie machen 95 Prozent der Anbaufläche aus. Insgesamt werden 15 Sorten produziert, aber Strisselspalt bleibt die flächenmäßig größte Sorte. Die von uns neu gezüchteten Sorten Aramis, Triskel, Barbe Rouge und Mistral wollen wir in den nächsten Jahren weiterentwickeln, sie sollen sich noch stärker durchsetzen. Im Elsass werden aber auch andere berühmte Sorten angebaut, die ursprünglich nicht von hier stammen, z.B. Fuggle, Golding, und Tradition. Die Anbaufläche dieser Sorten wird sich der Nachfrage anpassen. Zwei Bitterhopfen gehören auch zu unserer Palette: Columbus und Nugget. Die Anbaufläche von Bio-Hopfen nimmt stark zu. Da die Nachfrage an Bio-Hopfen stetig steigt, müssen wir hier natürlich auch dabei sein. Einige Landwirte sind bereit, vom konventionellen Anbau auf die Bio-Produktion umzustellen. Das geschieht über einen Zeitraum von drei Jahren.

 

Was tun die Elsässer Hopfenbauern in Sachen Qualitätssicherung?

Antoine: Zur Qualitätssicherung wurde ein spezielles HACCP-Programm für Hopfen aufgelegt. Alle Partien werden nach Wasser- und Alphagehalt analysiert. 100 Prozent der Pflanzer (mit mind. einer Partie) und 100 Prozent der Sorten werden analysiert, durch einzelne Analysen oder Mischmusteranalysen. Die meisten Analysen sind Rückstandsanalysen. Es werden aber auch Radioaktivität, Schwermetall- oder Nitratgehalte gemessen je nach Anfrage des Kunden.

 

Welcher Service wird Brauern geboten, die Elsässer Hopfen verwenden möchten?

Antoine: Die Brauer können uns jederzeit besuchen. Wir sind wirklich stolz zu zeigen, wie wir arbeiten und was uns so speziell macht in der Hopfenbranche. Das Elsass bietet uns beste Voraussetzungen. Wir bieten den Brauern auch Muster an, damit sie sich selbst ein Bild davon machen können, was man mit unseren Sorten brauen kann. Unsere Außendienst-Mannschaft steht ständig beratend zur Verfügung, um zu zeigen, wie man das Beste aus unseren Sorten herausholen kann. Und natürlich bieten wir alles, was für die Qualität der Hopfen wichtig ist: kühle Lagerung, gesplittete Lieferung und genaue Analysen gehören selbstverständlich dazu.

 

Welche Rolle spielt der Export für den französischen Hopfenanbau?

Antoine: 70 Prozent der im Elsass produzierten Erträge werden im Ausland verkauft. Trotzdem ist der Inlandsmarkt in Frankreich unser wichtigster Markt. Wir sind durch Partner in verschieden Ländern aktiv, z.B. in Belgien, England, Spanien, Italien, aber auch in den USA, Kanada und Japan. In allen diesen Ländern hat der Aromahopfen eine große Bedeutung.

Züchtung soll für weiterhin einzigartigen Hopfen aus dem Elsass sorgen
Züchtung soll für weiterhin einzigartigen Hopfen aus dem Elsass sorgen

 

Welche Herausforderungen siehst du für den Hopfenanbau im Elsass?

Antoine: Wir wollen sicherstellen, dass unsere Produzenten ordentlich und langfristig von der Hopfenproduktion leben können. Der Hopfenanbau im Elsass hat eine lange Tradition und das muss so bleiben. Wir müssen Sorten entwickeln und produzieren, die den hohen Qualitätsansprüchen der Brauer gerecht werden. Das Elsass muss „unique“, also einzigartig, bleiben und hoch qualitative, feine Aromahopfen entwickeln.

 

Welche Pläne gibt es für die Zukunft von Hop France?

Antoine: Kurzfristig werden wir das Zuchtprogramm erneuern. Ziel ist es natürlich, neue Sorten zu züchten und zu vermarkten, die neue Aromen bringen werden, die aber auch ertragreicher und umweltfreundlicher für den Pflanzer sein werden. Wenn wir dabei erfolgreich sind, dann wird es einfacher, die Produktionsfläche dauerhaft zu erweitern.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft.

Das Gespräch führte GradPlato-Redakteurin Lucia Baier.

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